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Reflektion hat nicht immer was mit Licht zu tun

Freitag 15 Uhr: Der Chef von Christian kommt mit einem umfangreichen Auftrag in das Büro gestürmt. Der Auftrag soll so schnell wie möglich erledigt werden. Zähneknirschend macht sich Christian an die Arbeit. Um 20 Uhr verlässt er als Letzter das Büro.

Mittwoch, eine Woche später: Es sind noch Änderungswünsche an der Aufstellung einzuarbeiten.

Freitag 17 Uhr: Gleiches Spiel wie letzten Freitag, diesmal wird es 19 Uhr.

Donnerstag, eine Woche später: Der Chef kommt wieder mit Änderungswünschen für die Aufstellung. Christian reißt ihm die Liste aus der Hand und blafft ihn an: „Kann man dir auch mal was recht machen?“ Etwas verdattert verlässt der Chef das Büro.

Am nächsten Tag bittet der Chef um ein Gespräch. „Was war das gestern?“ Christian wusste nicht wirklich eine Antwort. Normalerweise hat er seine Emotionen im Griff. Sein Chef bat ihn, bis nächste Woche über den Vorfall zu reflektieren.

Christian wusste nicht wirklich, was mit reflektieren gemeint war und traute sich aber auch nicht seinen Chef zu fragen.

Wird von Reflektion im Zusammenhang mit Kommunikation gesprochen, dann ist meist das „nochmal über etwas nachdenken / analysieren“ gemeint.

In dem Fallbeispiel war der Chef mit einem Verhalten von Christian nicht zufrieden und möchte eine Veränderung anstoßen. Natürlich kann er einfach sagen, was anders laufen soll, aber so hat Christian die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln, wenn er selber überlebt, was in der Situation passiert ist.

Aber was ändert es, wenn man nochmal über eine Situation nachdenkt? Sie ist doch schon vorbei.

Weil die Situation schon vorbei ist, ist es einfacher, die Betrachtung rein sachlich erfolgen zu lassen. Emotionen, die den Verstand aushebeln können, werden leichter zur Seite geschoben.

Durch die sachliche Betrachtung ist es möglich, weitere Verhaltensmöglichkeiten zu identifizieren und zu überlegen, wie die umgesetzt werden können.

Aber wie genau bei einer Reflektion vorgehen?

  • Was ist die Situation? Worüber hast du dich geärgert?

Für unser Fallbespiel bedeutet das:
Christian ärgert sich darüber, dass er zweimal einen Freitagnachmittag geopfert hat, obwohl die Aufgabe scheinbar doch gar nicht so dringend war. Christian fühlte sich nicht anerkannt in seiner Arbeit und es wurde nur gemeckert.

  • Realität von der Interpretation trennen
    Das kann eine Herausforderung sein. Was wurde tatsächlich gesagt und was wurde nur interpretiert? Am besten aufschreiben, mit Fokus auf das gesagte Wort.

Für unser Fallbespiel bedeutet das:
Der Chef hat „so schnell wie möglich“ gesagt, Christian hat „heute noch“ verstanden.

  • Neue Bewertungen finden
    Wenn das geschriebene Wort neutral betrachtet wird, könnte da auch eine andere Bewertung der Situation entstehen? Und jetzt nicht mit dem Kopf schütteln. Es gibt zu jeden Satz immer mehrere Bewertungen.

Für unser Fallbeispiel bedeutet das:
Durch das offenlegen der Interpretation von Christian wird ihm klar, dass sein Chef unter Umständen eine andere Frist im Auge hatte.

  • Andere Wahrnehmung
    Wird die Situation mit der neuen Bewertung anders wahrgenommen und wäre dann eine andere Reaktion möglich? Ist vielleicht sogar eine Entschuldigung fällig?

Für unser Fallbeispiel bedeutet das:
Hätte Christian nachgefragt, was mit „so schnell wie möglich“ genau gemeint ist, dann wäre er vielleicht ganz normal nach Hause gegangen. Für beide wäre klar gewesen, das Montag auch gereicht hätte.

  • Orientierung in die Zukunft
    Wie kann das nächste Mal anders agiert werden, damit so eine Situation nicht nochmal entsteht?

Für unser Fallbeispiel bedeutet das:
Christian nimmt sich für das nächste Mal vor, genauer nachzufragen und nicht seine Interpretation als Wahrheit zu nehmen. Zusätzlich möchte er seinen Chef bitten, klarer zu kommunizieren.

Mit dem durchlaufenen Prozess hätte Christian seine erste Reflektion absolviert. Die Herausforderung könnte sein, neutral zu bleiben und auch eine andere Meinung zuzulassen. Wer allerdings glaubt, dass nur die eigene Meinung richtig ist, wird es sehr schwer mit dem Reflektieren haben.

Bei dem nächsten Gespräch mit seinem Chef erklärte Christian die Situation. Sie überlegten gemeinsam, wie sie in Zukunft Missverständnis vermeiden können. Christian nimmt sich vor, dass er bei Unklarheiten gleich nachfragt.

Ach übrigens, wenn ich ein Verhalten nachvollziehen kann, dann heißt das noch lange nicht, dass ich es für gut heiße oder richtig finde.

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