© Matthew Wiebe http://www.unsplash.com

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Trauer im Business - Hilfestellungen für Führungskräfte

Tobias ist Teamleiter eines kleinen Teams. Einer seiner Mitarbeiter sollte in den nächsten Tagen Vater werden. Montag früh erreicht ihn ein Anruf von dem besagten Mitarbeiter: „Das Baby wurde tot geboren.“

Im ersten Moment wusste Tobias gar nicht, was er sagen sollte. Mit Mühe konnte er noch sein Beileid aussprechen. Ansonsten fehlten ihm einfach die Worte. Als er den Hörer aufgelegt hatte, war da nur eine riesige Betroffenheit. Sein Mitarbeiter hatte erstmal frei. Aber was soll Tobias den anderen Mitarbeitern in seinem Team sagen? Das Team freute sich schon seit Tagen auf die Geburt des Babys, auch die restliche Firma war über die bevorstehende Geburt informiert.Was sollte Tobias tun?

Was bedeutet Trauer für uns?

Trauer ist das intensivste Gefühl überhaupt. Dieses Gefühl ist in der Lage von Jetzt auf Gleich unser gesamtes Leben in Frage zu stellen. Meist kommen wir im privaten Kontext mit Trauer in Berührung und dann ist es für einige schon schwierig, damit umzugehen. Wie aber verhalten wir uns, wenn Trauer im beruflichen Umfeld Thema wird?

Tod und Trauer wird in unserer Gesellschaft gerne verdrängt oder tabuisiert. Wenn es einen dann doch trifft, vor allem im beruflichen Kontext, dann ist der Schock noch größer. Man hat ja bis jetzt geglaubt, dass es einen nicht trifft.

In der oben genannten Geschichte ist es erstmal wichtig, dass der betroffene Mitarbeiter den Freiraum bekommt, sich mit seiner Situation auseinander zu setzen. Lass ihm Zeit und vereinbare ein paar Tage später einen weiteren Telefontermin, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das unmittelbare Team informieren

Die unmittelbaren Teamkollegen informierst du am besten in einem persönlichen Gespräch. Teile erstmal nur mit, dass es bei der Geburt Komplikationen gab. Diese Information ist wichtig, denn die Mitarbeiter könnten auf anderen Wegen nach dem Baby fragen. Eine freudige Nachricht zu erwarten und dann zu erfahren, dass das Baby verstorben ist, ist für alle Beteiligten ein zu großer Sprung zwischen Freude und Trauer, deshalb führt die Situation gerne zu Überforderung und wird damit unangenehm. Geh nach der Mitteilung nicht gleich zur Tagesordnung über. Lass die Information erstmal sacken und biete Raum an. Dieser kann für Gespräche oder Gedanken genutzt werden. Aber nicht jeder möchte nach so einer Mitteilung reden.

Das weitere Vorgehen besprechen

Wenn du das nächste Mal mit dem Mitarbeiter sprichst, würde ich folgende Themen klären:

  • Welchen Umgang mit der Situation wünscht er sich?
  • Sollen die restlichen Mitarbeiter über die Teamleiter vor seiner Rückkehr informiert werden?
  • Ist Unterstützung gewünscht? Wenn ja, welcher Art?
  • Es wäre auch gut zu wissen, ob er über das Geschehene sprechen möchte. Einige Trauernde hilft es, wenn sie einfach zum Alltag zurückkehren können und sich nicht mit der Trauer beschäftigen müssen.

Wenn du das weitere Vorgehen mit dem betroffenen Mitarbeiter besprochen hast, sprich mit dem restlichen Team und hole sie ins Boot.

Offenheit vermeidet rosa Elefanten*

In dem du offen über die Situation sprichst, gibst du deinen Mitarbeitern Sicherheit und sie haben die Gelegenheit sich damit auseinander zu setzen.

Wenn du es dir zutraust, dann biete gerne ein Gespräch mit den einzelnen Mitarbeitern an. Solltest du an deine Grenzen stoßen, dann sei ehrlich zu dem Mitarbeiter. Es gibt Beratungsfirmen, die dir sicher gerne weiterhelfen.

Deine Mitarbeiter werden es dir danken, wenn sie offen mit der Situation umgehen können.

Bleibe im Kontakt

Bleibe mit dem betroffenen Mitarbeiter in Kontakt. Telefoniere regelmäßig mit ihm und wenn er das erste Mal wieder in die Firma kommt, dann nutze die Gelegenheit für ein persönliches Gespräch. Besprich mit ihm, wie das weitere Vorgehen ist. Du gibst damit Sicherheit.

Jetzt noch die Eingangsfrage

Was soll Tobias tun? Einfach darüber hinweggehen? Trauerbegleitung in der Firma anbieten?

Gehe offen mit der Situation um und schaffe Gelegenheit, das Geschehene zu besprechen. Für eine richtige Trauerbegleitung ist die Firma nicht der richtig Ort. Wenn du professionelle Hilfe brauchst, dann scheue dich nicht, sie zu holen.

Weitere Möglichkeiten Trauernde zu unterstützen findest du im Artikel Was tun, wenn Trauer in mein Leben tritt? Wie kann ich Trauernde unterstützen?

Hast du schon Erfahrung mit Trauer in der Firma? Wie wurde bei euch damit umgegangen? Was hättest du dir im Umgang dort anders gewünscht?

 *Rosa Elefanten ist eine Bezeichnung für Themen, die zwar im Raum stehen, aber totgeschwiegen werden. Jeder kennt und spürt sie, aber sie werden ignoriert.

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