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Wie werde ich Konfliktmeister?

Als ich diese Frage in dem Aufruf zur Blogparade von Christina Wenz gelesen habe, war mein erster Gedanke:
„Gute Frage, das würde ich auch gerne wissen!“

In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit den Themen rund um Kommunikation, Konflikte und Umgang mit Gefühlen beschäftigt, deshalb ist es für mich natürlich Ehrensache an der Blogparade teilzunehmen.

Ich kann dir leider nicht sagen, wie man zum Meister wird, aber ich kann dir mitgeben, was ich auf meinem Weg in diese Richtung gelernt habe.

Werde ich dieses Ziel jemals erreichen? Keine Ahnung, aber es ist für mich auch nicht ausschlaggebend, weil schon der Weg dorthin eine tolle Weiterentwicklung für mich war.

Folgende Erkenntnisse waren für mich wichtig:

Meine Einstellung gegenüber Konflikten
Konflikte sind nichts Böses und schon gar nicht ein Angriff gegen meine Person. Ganz neutral betrachtet, sind Konflikte einfach zwei Meinungen die aufeinander treffen. Erst unsere Bewertung des Gesagten macht ein Problem daraus.

Durch das Ändern der Einstellung zu Konflikten, konnte ich diese als Chance verstehen und so auch mit ihnen umgehen. Vielleicht hat ja mein „Konfliktpartner“ eine Idee, die viel besser ist als meine. Nur wenn ich wirklich hinhöre, kann ich auch verstehen, was der andere meint.

Es muss auch nicht immer eine Übereinstimmung der Meinungen geben. Es gibt auch Konflikte, die sich lösen, indem jeder seine Meinung behält und akzeptiert, dass es unterschiedliche Meinungen zu dem Thema gibt.

Ich muss niemanden von meiner Meinung überzeugen, aber auch die andere Meinung kann ich stehen lassen, ohne dass ich sie annehmen muss.

Durch das ehrliche Vertreten meiner Meinung innerhalb eines Konfliktes, gebe ich dem anderen die Möglichkeit mich ein stückweit besser kennenzulernen. Ich zeige damit offen, worum es mir geht.

Luft holen
Kommen die Gefühle hoch - warum auch immer - dann ist es mehr als okay, erstmal Luft zu holen, bevor eine Reaktion erfolgt. Die Welle der Gefühle wird abebben, wenn ich ihr die Zeit dazu lasse.

Schon so manches Wort, was im ersten Moment zu einem gefühlten Weltuntergang führte, war nach einer gewissen Zeit und einem zweiten Blick nur noch eine Information.

Eine wichtige Erkenntnis war, dass ich in dieser emotionalen Zeit keine wichtigen Gespräche führe, sondern ganz für mich bin und mir die Zeit nehme, die ich benötige, um mich um meine Gefühle zu kümmern.

Egal welches Gefühl hochkam, ich habe es zugelassen und gefühlt. Ich habe mir immer wieder bewusst gemacht, dass mich mein Gegenüber wahrscheinlich mit dem Gesagten nicht verletzen wollte. Erst meine Bewertung von dem Gesagten, löste das Gefühl aus. Somit bin ich alleine für meine Gefühle verantwortlich, weil sie auf meiner Bewertung beruhen.

Erwartungen / Enttäuschungen
haben einen sehr engen Zusammenhang. Ich kann nur enttäuscht werden, wenn ich eine Erwartung hatte.

Das Problem mit Erwartungen ist nur, wenn etwas anderes kommt als das Erwartete, dann ist sofort das Gefühl der Enttäuschung da, auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Alternative viel besser passt.

Ich habe gelernt im Jetzt zu sein und möglichst wenige Erwartungen zu haben, damit ich nicht mit meiner Illusion (mehr ist eine Erwartung nicht) beschäftigt bin, sondern mit dem tatsächlich Gesagtem und auch darauf reagiere.

Wichtig war hier auch, tatsächlich zu bitten („Kannst du mir bitte helfen?“), statt einen – evtl. auch unausgesprochenen – Anspruch („Du hast mir gefälligst zu helfen!“) zu erheben. Sollte der andere nicht wollen oder können, dann gehe ich auf die Suche nach einer andere Lösung, vielleicht kann der andere bei der Suche helfen.

Wenn ich doch mal eine Enttäuschung erlebe, dann mache ich mir bewusst, dass sie auf meine Erwartung beruht und nicht in der Verantwortung meines Gegenüber.

Realität von der Interpretation trennen
Was wurde tatsächlich gesagt und was habe ich verstanden? Ich war manchmal so schnell mit der Interpretation, dass ich es gar nicht bewusst wahrnahm. Irgendwann merkte ich dann meistens, dass wir aneinander vorbeiredeten.

Diese Interpretation kann auch in die andere Richtung gehen. Wenn ich die rosarote Brille aufhabe, dann kann der andere mich in einer Tour beleidigen und doch verstehe ich jedes Wort als Liebeserklärung. Diese selektive Wahrnehmung ist aber völlig normal.

Wir haben alle ein Bild von der Welt und wir versuchen die Welt in diese Vorstellung zu quetschen. Sollte sie nicht passen, dann helfen wir einfach nach und nehmen gewisse Eindrücke nicht wahr.

Ich habe dann immer aufgeschrieben, was tatsächlich gesagt wurde und mir überlegt, wie eine andere Interpretation aussehen könnte. Durch dieses Vorgehen konnte ich die Perspektive wechseln und auch andere Sichtweisen zulassen. Es gibt immer mindestens drei weitere Interpretationen. Versuche es gerne mal.

So war es möglich meine Gefühle zu hinterfragen und auch die Möglichkeit wahrzunehmen, dass etwas völlig anderes gemeint sein könnte.

Gerne habe ich es auch mit Freunden diskutiert, wie ihre Interpretation war. Allerdings benötigt man dazu Freunde, die sich trauen die Wahrheit zu sagen. Jemand der dir nach dem Mund redet, hilft dir in der Situation wenig. Wenn es ganz doof kommt, würden sich die Gefühle noch verstärken.

Verstehen heißt nicht einverstanden sein
Eine ganz wichtige Erkenntnis war es für mich, dass es einen Unterschied zwischen verstehen, akzeptieren und einverstanden sein gibt.

Ich kann etwas verstehen und doch anderer Meinung sein. Ich kann eine andere Meinung akzeptieren und doch meine Meinung weiter vertreten.

Somit hatte ich die Freiheit, Dinge wirklich zu hinterfragen und zu verstehen und doch am Ende sagen zu können: „Ja, ich verstehe deine Ansicht, ich möchte es aber anders machen.“

Zeit und Raum
Indem die Konflikte den Raum bekamen, den sie benötigten, konnten sie eine ganz andere Qualität in der Lösungsfindung entwickeln.

Besonders bei wichtigen Themen habe ich gelernt, dass die Lösung nicht sofort auf dem Tablett liegt, sondern sie entsteht. Wenn beide respektvoll miteinander umgehen und an ihre Beziehung glauben, dann können ganz andere Lösungsansätze in einem Konflikt entstehen.

Offenheit / Ehrlichkeit
Ich kann nicht hinter die Stirn von anderen Leuten schauen, auch wenn ich es wahnsinnig gerne würde. Mein Gegenüber kann leider auch nur erahnen, was in meinem Kopf vorgeht, deshalb ist es so wichtig, in einem Konflikt offen und ehrlich zu sein.

Wie soll mein Gegenüber wissen, dass ich eigentlich am Bode liege, wenn ich noch immer die Starke mime.

Wenn ich offen und ehrlich sage, wie es mir geht, dann kann der andere darauf eingehen und es kann gemeinsam eine ehrliche Lösung gefunden werden.

Bedürfnisse und Grenzen kennen
Ich habe für mich gelernt, was für mich wichtig ist und was meine Bedürfnisse und Grenzen sind.

Dadurch kann ich für meine Bedürfnisse einstehen und klar zeigen, wo meine Grenzen liegen.

Wenn ich meine Bedürfnisse kenne, dann kann ich mich auch bewusst entscheiden, dass ich diesmal meine Bedürfnisse nicht bediene, weil mir gerade etwas anderes wichtiger ist. Schon so manches Ziel ging nicht konform mit meinen Bedürfnissen in dem Moment.

Kompromisse sind keine Lösung
Lange habe ich geglaubt, dass man bei einem Konflikt immer Kompromisse eingehen muss. Mittlerweile bin ich anderer Meinung.

Wenn wir uns Kompromisse genauer anschauen, dann fällt auf, dass der Fokus bei der Kompromissfindung oft auf dem Konflikt liegt, der so schnell wie möglich beendet werden muss.

Je unangenehmer der Konflikt ist, desto eher ist man kompromissbereit, da man die unangenehmen Gefühle loswerden möchte. Ob man mit dem Kompromiss glücklich ist, steht auf einem anderen Blatt. Kurzfristig hat man das Problem ja gelöst.

Mittlerweile vermeide ich Kompromisse. Gemeinsam überlege ich mit meinem Gegenüber, was jeder möchte und was dahinter steht. Wenn wir beide dann verstehe, worum es den jeweils anderen geht, dann können auch ganz andere Lösungsansätze entstehen, die wir beide vorher nicht gesehen haben.

Reden ist Silber, Schweigen Gold
Nicht immer stimmt diese Aussage. Wer hat nicht schon probiert, den Konflikt durch eisiges Schweigen zu beenden, in der Hoffnung, dass der Andere nachgibt? Das Thema ist nur, oft wird der andere das nicht mitmachen, weil es verdammt dicht an dem Thema Kompromisse dran ist.

Es soll das unangenehme Gefühl genutzt werden, was das Schweigen auflöst, um den Konflikt so schnell wie möglich zu beenden.

Solange Gespräche bestehen, ist auch eine Lösung möglich, auch wenn es dauert.

Warum ich mittlerweile Konflikte fast schon mag?
Anstrengend sind die kleine Scheißer noch immer, aber sie geben mir eine Fläche um mich weiterzuentwickeln.

Sie geben mir die Möglichkeit…

  • zu verstehen, dass es um die Sache, nicht um die Person geht
  • meine Grenzen kennenzulernen
  • mein Gegenüber kennenzulernen
  • meine Komfortzone zu verlassen
  • mich besser kennenzulernen
  • meine Bedürfnisse wichtig zu nehmen und für sie einzustehen.
  • zum Perspektivwechsel

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade „Wie werde ich Konfliktmeister“ von Christina Wenz.

Wie stehst du zu Konflikten? Ich freue mich auf deine Kommentare.

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8 Comments

  1. Liebe Melanie, ich danke Dir für diesen tollen Beitrag zur Blogparade, der mich sehr begeistert hat! Wow, er ist ja ein ganzer Fundus voll toller Tipps! Ich bin mir sicher, dass ganz viele Leser davon profitieren werden und danke Dir sehr für Deine Offenheit! Herzliche Grüße, Christina Wenz

    • Melanie Bornschein sagt:

      Liebe Christina,

      ich danke dir für deinen Kommentar. Wenn ich nur einige mit dem Artikel berühre und sie ihr Konfliktverhalten überdenken, dann kann sich eine Menge verändern.

      Liebe Grüße

      Melanie

  2. Liebe Melanie,

    mir gefällt besonders der erste Punkt mit der Einstellung zu Konflikten. Wenn ich einen Konflikt als Problem betrachte, ist das negativ. Wenn ich einen Konflikt als Chance sehe, ist das positiv. Und man muss nicht immer einer Meinung sein, es reicht, wenn man die andere Seite versteht.

    Viele Grüße
    Claudia

    • Melanie Bornschein sagt:

      Liebe Claudia,

      lieben Dank für deine Kommentar.

      Ja, ganz oft im Leben ist es unsere Bewertung von etwas, die erst das Problem schafft. Wenn uns das bewusst ist, dann ist vieles einfacher.

      Liebe Grüße

      Melanie

  3. Karin Immler sagt:

    Liebe Melanie,
    so viele Anregungen. Super. Mein Lieblingssatz ist der folgende: „Konflikte sind nichts Böses und schon gar nicht ein Angriff gegen meine Person.“ Das alleine hilft schon weiter!
    Viele herzliche Grüße
    Karin

    • Melanie Bornschein sagt:

      Liebe Karin,

      lieben Dank für deinen Kommentar. Ich halte die Einstellung zu Konflikten für eine der wichtigsten Stellschrauben im Konfliktverhalten.

      Liebe Grüße

      Melanie

  4. Liebe Melanie,
    was für ein toller Artikel in dem du so viele wichtige Punkte ansprichst!

    Besonders der Punkt „Verstehen“. Oftmals wird den anderen verstehen mit „Ich gebe zu, dass ich schuld bin“ verwechselt. Dabei kann ich mein Gegenüber ja auch in seiner Position verstehen, ohne dass dies meine Position ändert.
    Ich habe in Familienmediationen erlebt, dass MediandInnen, die sonst nicht viel Gefühle zeigten, plötzlich in (befreiende) Tränen ausgebrochen sind, als der/die andere ihnen Verständnis entgegengebracht hat. Da ging es nicht mehr darum, wer woran schuld ist, sondern zu sehen, wie es dem/der anderen gerade geht. Das kann die Stimmung komplett ändern. Und dann finden sich plötzlich auch gute Lösungen 🙂

    Ich finde es echt toll, wie du auch die Chancen von Konflikten beschreibst. Ich hab vor ein paar Monaten darüber einen Artikel geschrieben (http://dardo-consulting.com/blog/konflikt-als-chance/, falls es dich interessiert, sonst nimm den LInk ruhig raus!). Je weniger Angst wir vor Konflikten haben, desto kompetenter gehen wir auch mit ihnen um.

    Danke für deine Sichtweise!!!
    Alles LIebe,
    Elisabeth

    • Melanie Bornschein sagt:

      Liebe Elisabeth,

      lieben Dank für deinen Kommentar.
      Ich kenne das auch, oft wird um das nicht-Schuld-haben regelrecht gekämpft, bis dann verstanden wird, es ist egal. Es geht darum die Situation zu ändern und was jeder dazu beitragen kann.

      Wenn wir alle Konflikte als Chance verstehen (nicht als Angriff) und diese auch nutzen würden, dann könnten wir die Welt ein Stückchen besser machen…. davon bin ich überzeugt.

      Liebe Grüße

      Melanie

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